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Reiches Land – arme Kinder


Deutschland ist ein reiches Land, ein verdammt reiches Land.

Im internationalen Vergleich ist Deutschland die viert reichste Volkswirtschaft. Deutschland ist reicher als die Schweiz, zumindest was das Gesamtvolumen des Bruttonationaleinkommens betrifft.

Wir haben ein Pro-Kopf Brutto-National-Einkommen von $ 42.305, das sind knapp 30.000 Euro.

Das ist schon eine ganze Menge.

Ja es gibt Staaten, die sind reicher.

Gesamt betrachtet reicher, wie z.B. die USA, oder auch pro-Kopf betrachtet reicher, wie die Schweiz. Die haben nämlich rund 55.000 Dollar pro Kopf.

Das ist nicht der springende Punkt.

Deutschland ist reich.

Laut den Medien brummt die Wirtschaft.

Überall hört man „Aufschwung, Aufschwung!

Und wir brauchen dringend Leute aus dem Ausland, damit der Aufschwung anhält. Die berühmten Fachkräfte sind es, die fehlen.

Aufschwung und Fachkräfte bedeutet, es geht aufwärts. Der Reichtum mehrt sich.

Prima!

Und trotzdem bin ich schwerst erschrocken!

Verzeiht mir den flapsigen Ausdruck, aber anders kann ich mein starkes Befremden nicht ausdrücken.

In diesem reichen Land ist tatsächlich jedes sechste Kind von Armut  betroffen.

Das muß man sich mal vorstellen!

Jedes sechste Kind.

Wir haben im Moment, da ja in der reichen Bundesrepublik die Geburten zurückgehen, 13,1 Millionen Kinder. Jedes sechste Kind bedeutet: 2,2 Millionen Kinder sind ARM.

Sie können nicht teilhaben, wie andere Kinder.

Also kein Kindergeburtstag, kein Kino, keine Ferienreisen.

Klar muß in  Deutschland keiner verhungern, oder in Slumvierteln leben, wie man das aus Brasilien oder Afrika so kennt.

Wirklich nicht?

Richtig ist, das es die Sozialgesetzgebung gibt. Man was für ein Wort.

Ja jeder, der bedürftig ist –also kein eigenes Geld verdient, oder zuwenig Geld verdient –, kann Geld vom Jobcenter, das sogenannte Hartz IV oder besser Arbeitslosengeld II beantragen.

Im August 2010 bekamen fast 7 Millionen Menschen diese Leistungen, davon waren fast 2 Millionen Kinder!

Hartz IV sieht vor, das ein Dach über dem Kopf gewährleistet ist.

Es gibt sogenannte Regelsätze, in denen festgelegt ist, wieviel für Essen und Trinken, für Strom, für die Schule oder auch für die Kleidung vorgesehen ist.

So sind für Kinder bis 6 Jahren 213 Euro vorgesehen, ältere Kinder bekommen mehr, z.B. ab 14 Jahren 275 Euro pro Monat.

Wenn man sich mal die statistische Aufteilung des Regelsatzes  anschaut, da wird man feststellen, das z.B. gar nichts für Windeln vorgesehen ist, oder für Spielzeug, oder was Kinder sonst so brauchen.

Kinder kriegen einfach einen prozentualen Anteil von dem was Erwachsene kriegen.

Im Prinzip ist es egal, wie man das Pferd nennt.

Ob das Geld, welches laut Statistik für Kosmetik vorgesehen ist, nun für Windeln ausgegeben wird, ist echt wurscht.

Bildung, das betonen die Politiker ja immer wieder, ist wichtig. Die Kinder sollen ja aus der Misere raus kommen.

Prima, im Regelsatz ist ja auch 1,39 Euro pro Monat dafür vorgesehen.

Stopp, das ist der Regelsatz für einen Erwachsnen.

Nehmen wir mal den Satz vom Jugendlichen, der ab 14 ja 275 Euro bekommt.

0,38 % sind im Regelsatz für die Bildung vorgesehen.

Jugendliche bekommen also jeden Monat 1,05 Euro für die Bildung.

Nochmal 1,05 Euro Bildung für Kinder von 14 bis 18!

Für die 7 bis 13 jährigen ist es noch nicht mal ein Euro, nur noch 92 Cents!

Und das für jedes 6. Kind in Deutschland.

2,2 Millionen  Kinder!

Sicher werdet ihr nun einwenden, das die Bundesregierung doch dieses Bildungspaket auf den Weg gebracht hat. Oder das es früher auch anders ging – früher gab es auch einfacher Jobs, von denen Familien leben konnten.

Stimmt.

Sie haben ja lange verhandelt.

Als es endlich soweit war, da wurden die ganzen Ämter so überrascht, dass sie gar nicht wußten, wie sie damit umgehen sollten.

Das war Anfang April diesen Jahres so.

Also da kam die Überraschung: Bundesrat und Bundestag hatten sich geeinigt, ganz überraschend.

Ämter und Behörden in ganz Deutschland waren verwirrt.

Wie konnte das angehen? So plötzlich?

Es lag kein Plan dafür vor, wie mit diesem Ereignis umgegangen werden sollte!

Einige Behörden haben sich immer noch nicht davon erholt.

Da werden Zuständigkeiten hin und her geschoben, das es eine wahre Pracht ist.

Verwirrung pur!

Beabsichtigt? Unbeabsichtigt?

Wer weiß das heute schon.

Manchmal könnte man schon System dahinter vermuten.

Bildungspaket

Hier soll doch endlich was für die Kinder und die Bildung getan werden, damit nicht immer nur der eine Euro pro Monat ins Spiel kommt.

Damit aus armen Kindern keine arme Erwachsene werden müssen.

Will doch keiner.

Die Arbeitsministerin sagt ja auch immer wieder, das alles für die Kinder ist.

Und der Grund, das die Eltern der Kinder keine Arbeit haben, im Prinzip wären sie selber schuld, weil sie so bildungsfern wären.

Also die Eltern von den Kindern können nichts richtiges, deswegen finden sie keine Arbeit.

Wir erinnern uns, das war dieses Teilzeitmodel:

50 Leute teilen sich eine Stelle oder 0,02 Job pro Person.

Gut, so soll es unseren Kindern nicht gehen.

Deswegen das Bildungspaket.

Da ist jetzt vorgesehen, das die Fahrt zur Schule bezahlt wird, zumindest wenn die Schule mehr als 3 km entfernt liegt, und die Fahrkarte mehr kostet, als im Regelsatz vorgesehen.

Essen gibt es auch. Die Eltern müssen nur noch 1 Euro pro essen selber bezahlen.
Das  ist gut so.

Dann wird die Klassenfahrt bezahlt – das ist aber nicht neu, das gab es quasi immer schon.

Neu ist, das nun auch die Schulausflüge bezahlt werden.

Und Nachhilfeunterricht gibt es, aber nur wenn der Lehrer sagt, das es nötig ist, nicht weil das Kind eventuell ne bessere Zensur haben will.

Und das ist besonders schick, ich glaube da freut sich die Frau von der Leyen besonders drüber. Die Teilhabe am Vereinsleben.

Frau von der Leyen hat schließlich früher selber Blockflöte oder Geige gelernt und mit Mama und Papa Albrecht Hausmusik machen dürfen.

Das sind prägende Erinnerungen, und das sollen die Kinder aus den armen Familien auch haben.

Wenn sie schon arm sind, dann wenigstens mit der Blockflöte.

10 Euro gibt es noch mal im Monat für Musikunterricht oder Vereinsmitgliedschaft.

Das dumme ist, das der Gruppenunterricht an der Musikschule – zumindest in Berlin –  bei 45 Minuten in der Woche schon 19 Euro kostet. Einzelunterricht mit 1 Stunde in der Woche gibt es für schlappe 82 Euro.

Das Instrument ist noch nicht dabei.

Aber das kann man dann für 6 Euro im Monat ausleihen.

Dann doch besser Sport.

Vereine gibt es ja an jeder Ecke und da ist man an der frischen Luft, tut was für die Bewegung, und bestimmt klappt das ein zweiter Michael Ballack oder Manuel Neuer zu werden – wenn man denn Fußball mag. Die Mädchen eifern dann einfach Birgit Prinz oder Nadine Angerer nach.

Fußball: gut für’s Training reicht ein T-Shirt und ne normale Hose. Braucht das Kind auch in der Schule.

Spezialequipment: Schuhe und Schienbeinschoner – Preise sind nach oben offen, aber so für ca. 70 Euro kann man die Erstausstattung bekommen.

Dann beten, das der Nachwuchs nicht zu schnell wächst.

Vereinsmitgliedschaft: da kommt der zehner ungefähr hin.

275 Euro Regelsatz für 14–18 Jährige + das Bildungspaket.

Das Kindergeld, das alle Eltern für ihre Kinder bekommen, das wird bei den armen Kindern als Einkommen angerechnet.

Davon muß Mama dann Brot kaufen gehen.

Das reiche Deutschland gestattet es sich, das 2,2 Millionen Kinder in Armut leben und auch in Ghettos abgeschoben werden.

2,2 Millionen Kinder,
die auch mit Bildungspaket kaum Chancen haben werden.

lovehelz

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