Helz-Design

Verdammt zum Warten


Eine verdammt gute Idee, diese Bürgerämter.

Alles aus einer Hand:

  • Wohnungsanmeldung
  • Beglaubigungen von Unterschriften
  • Führerscheinumschreiben
  • Fundsachen
  • Führungszeugnis
  • Personalausweis
  • Reisepass
  • Führungszeugnis
  • Autoanmeldung

und alles andere, was das Verwaltungsherz sonst noch so einfallen läßt.

Früher, also so vor anno tuck, da ging man ja zum Einwohnermeldeamt, oder auf die Polizei, oder zum Straßenverkehrsamt.

Muss man heute nicht mehr. Zumindest nicht in Berlin, da gibt es die Bürgerämter.
Jeder Bezirk hat mehrere davon.

Ja zugegeben, meistens muß man verdammt lange warten.
Echt verdammt lange.

So eine Stunde ist da schnell vergangen.
Manche verbringen gar ganze Tage auf dem Bürgeramt!

Chronisch unterbesetzt sind die Bürgerämter, alle miteinander.
Im Prinzip wie jede Verwaltung. Bei den anderen merkt man es nur nicht so doll.

Heute war ich auf einem Bürgeramt.
In meinem heimischen Bezirk.

Berlin hat 12 Bezirke und jeder Bezirk hat so ungefähr 3–4 dieser Bürgerämter, bunt verteilt und gut zu erreichen, im Prinzip.

Kommt immer drauf an, was man so machen will, im Bürgeramt.
Eigentlich können alle alles. Aber eigentlich auch nicht.

In Reinickendorf kann man den BerlinPass nur im Bürgeramt Ost beantragen oder verlängern.
Ist in den anderen Bezirken anders.

Da geht wirklich überall alles.

InBezirken im ehemaligen wie Pankow oder Mahrzahn kann man auch Termine vereinbaren – sogar Online.

Kann man ja auch in Reinickendorf, wenn man einen Personalausweis beantragen, oder einen Führerschein ausstellen lassen will.

Ist auch sinnvoll, denn die Bürgerämter sind ja überlastet, aber nicht nur, weil zu wenig Leute dort arbeiten und keine mehr eingestellt werden. Wir müssen ja alle sparen, nicht nur die schwäbischen Hausfrauen und Griechenland, auch das arme, aber sexy Berlin.

Personalausweis beantragen dauert jetzt länger. Viel, viel länger als früher. Ungefähr dreimal so lange als früher.

Weniger Leute müssen intensiver arbeiten und der Bürger wartet auf dem Bürgeramt.

Heute morgen war ich da.
Um 11 Uhr haben sie aufgemacht.
Um 10 Minuten nach 11 Uhr habe ich die Taste für die Wartenummer gedrückt.

Aus drei verschiedenen Wartenummern kann man auswählen.
Es gibt eine eigene Wartenummer für das Abholen eines Dokuments wie einen neuen Personalausweis.
Da habe sie heute morgen mit der 500 angefangen und als ich fertig war, da waren sie bei Nummer 510.
Dokumente aushändigen geht auch schneller.

Die meisten Leute wollten aber die allgemeinen Dienste beanspruchen, also Pässe, Ausweise und so weiter.
Taste 2 gibt die entsprechende Wartenummer aus. Angefangen haben sie heute mit der 0 und das Amt hatte sich in einer Stunde bis Nummer 22 durchgearbeitet.
Sie waren laut Anzeigetafel mindestens zu dritt.

Aber es dauert ja auch länger.
Mittlerweile jedenfalls.

Und der Bürokratieschimmel wiehert ja in Deutschland ganz gewaltig.
Wenn man so einen Personalausweis beantragt, dann muß man ja auch Geld bezahlten. Quasi eine Nutzungsgebühr. Denn auch wenn der eigene Name drauf steht, gehören tut einem das gute Stück nicht. Das gehört auf immer und ewig dem Staat.
Fast 30 Euro muß man bezahlen.

Und die Gebühr zahlt man, wenn man den beantragt. Da muß man mittendrin beim Beantragen zur Kasse huschen. Bestimmte Stempel gibt es erst, wenn ein Zettel vorliegt: “Gebühr bezahlt”.
Wahrscheinlich bewegt sich sonst der Stempel nicht.
Keine Angst, der Sachbearbeiter wartet so lange.
Wenn es an der Kasse länger dauert, weil andere auch noch Gebühren abdrücken müsse, der Sachbearbeiter wartet auch dann.

Kein Wunder, das es so lange dauert.
Kein Wunder, das Taste 2 oft schon lange vor Ende der Öffnungszeiten blockiert wird.

Manchmal kann man schon ab mittags keine Nummer mehr ziehen.
Obwohl dann bis um 18 Uhr offen ist.

Am schnellsten geht es mit einer Wartenummer ausgegeben von Taste 3.
Wobei ich mich da erstmal erschrocken habe.
Auf der Anzeigetafel war gerade Nummer 300 aufgerufen worden und ich hatte Nummer 344 gezogen.

Wie lange sollte das um Gotteswillen dauern?
44 Leute vor mir.

Und das für eine Aktion, für die man noch nicht mal einen Termin vereinbaren konnte.
Jedenfalls nicht in Reinickendorf. In Pankow ja schon.
Aber nicht hier bei mir – oh Horror, oh Graus.

Ich mußte warten, denn sonst könnte ich ja nicht am 1. August die Monatskarte kaufen.
Wenn dieser Pass nicht gültig ist, dann denken die bei der BVG, das ich kein Recht auf die Karte habe.
Das würde bedeuten, daß ich nicht mobil wäre.
Eine schreckliche Vorstellung.

Die Tafel sprang aber schnell von 300 in Richtung 310, dann war schon 315 dran und wir hatten erst 20 nach 11.

Ich überschlug schnell. Es schien, daß alle 2 Minuten jemand in das Zimmer 8 gehen konnte.
Sehr schön.

Im Bürgeramt war es nämlich mehr als knacke voll.
Alle Stühle besetzt, auf den Treppen saßen die Menschen.
Sie lehnten an den Wänden, standen sich gegenseitig im Weg.
Kleine Kinder tobten um die Wartenden herum, und noch kleiner Kinder schrien.
Draußen regnete es, drinnen tropfte der Schweiß von den Stirnen der Wartenden.
Kein Luftzug bewegte sich.

Viertel vor 12, wir nähern uns Wartenummer 335. Gottseidank.
Es kann nicht mehr lange dauern.
Ich packe schon mal alles ein, halte meine Nummer bereit und schleiche mich etwas näher an Zimmer 8 ran.

Kurz vor 12 springt die Anzeige auf 343.
Es ist eigentlich ein profaner Akt, aber je näher meine Wartenummer rückt, desto aufgeregter werde ich. Es kribbelt im Bauch.
Ich will um nichts in der Welt meine Nummer verpassen.
Was ist wenn ich meine Nummer verpasse.
Warum dauert das nun so lange, bis die 343 in 344 umspringt?

Endlich.
344.
Ich stürme die kleine Treppe hoch, 4 Stufen sind es.
Ich muß ein paar Menschen umrunden, die auf den Stufen ausharren.

Rein ins Zimmer, meinen BerlinPass hingelegt, Ausweis dazu und den Bescheid.
Zack habe ich einen Stempel und den neuen Gültigkeitsvermerk auf meinem Teil.

Wunderbar.
Und nun nichts wie raus.

Ich dränge mich an den Wartenden vorbei durch die Türe.
Die Menge ist nicht kleiner geworden, im Gegenteil …

Es ist 12:05 und ich bin wieder frei, Frau über meine Zeit.

Nur warum wird das überall so anderes behandelt?
Warum ist in Reinickendorf nur ein Bürgeramt zuständig, wenn man in Spandau zu allen Bürgerämtern gehen kann?
Und warum kann man in Pankow auch einen Termin vereinbaren und in Zehlendorf nicht?

Fragen, die mir wahrscheinlich keiner beantworten will.

lovehelz

Enhanced by Zemanta
Advertisements

Single Post Navigation

2 thoughts on “Verdammt zum Warten

  1. Knity on said:

    toll, wie Du das beschrieben hast, dieses leidige warten kenne ich auch.

%d bloggers like this: