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Arm! – Arbeitslos! – Ungebildet?


Alle zwei Jahre gibt es einen neuen Sozialbericht.
Der wird vom Statistischen Bundesamt zusammen mit Sozialforschern herausgegeben und gilt als die “Bibel der Sozialforschung”. In diesem Jahr umfaßt der Bericht zwei dicke Bände mit jeweils 450 Seiten.

Nein ich habe ihn nicht selber gelesen, nur den Artikel in der Zeitung, der sich mit dem Sozialbericht beschäftig.


Tenor:

Einmal arm, immer arm

Es ist erschreckend!
Deutschland wird immer noch als ein reiches Land angesehen.
Dabei sieht es mittlerweile ganz anders aus:

„2009 waren 16 Prozent der Bevölkerung hierzulande armutsgefährdet. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 929 Euro im Monat (nach Zahlung der Sozialleistungen) zur Verfügung hat. Insbesondere die hohen Wohnkosten sind belastend, fast jeder dritte Armutsgefährdete war nicht in der Lage, sich zumindest jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit mit Fleisch, Fisch oder entsprechenden vegetarischen Zutaten zu kochen. Einmal arm, immer arm, lautet der Trend.“

Bedenkt das mal.
16 Prozent unserer Bevölkerung ist armutsgefährdet.
Wir haben rund 80 Millionen Menschen in Deutschland.
16 Prozent davon sind: fast 13 Millionen Menschen, die im Prinzip nicht das nötigste zum leben haben.

Das große Problem ist, wer erst einmal in dieser Armutsfalle sitzt, der kommt da so schnell nicht wieder raus.
Laut Sozialbericht war es in den 80er Jahren so, das rund 57 % der Betroffenen in der Armutsschiene verharrten.
Mittlerweile ist die Quote auf 65 % gestiegen.

16 % sind betroffen = 13 Millionen Menschen in Deutschland.
Davon haben 65 % keine Chance, das es besser wird, das sie aus dem Schlamassel befreit werden.
Das bedeutet: 8,5 Millionen Menschen in Deutschland sind arm und werden arm bleiben.
Das sind mehr als 10% unserer Bevölkerung.

Ich finde das erschreckend.

Kinderarmut

Und wenn man dazu bedenkt, das jedes 6. Kind von Armut betroffen ist, dann wird dieser Sozialbericht noch brisanter.

Es wird gerne gesagt, das die Bildung der Bringer ist. Ich bin ein großer Befürworter von Bildung. Persönlich lerne ich gerne Neues.
Jeder muß die Chance und den Zugriff auf Bildung und Weiterbildung haben. Aber so wie es für ihn persönlich richtig und wichtig ist, nichts verordnetes.

Und über unser Bildungssystem – gerade hier in Berlin – will ich mich jetzt wirklich nicht aufregen. Hinterher sprengt dieser Blogbeitrag dann den Sozialbericht.

Fakt ist, das immer weniger Geld in Deutschland in die Bildung investiert wird.
Noch nicht mal 7% des Bruttoinlandproduktes ist den Verantwortlichen die Bildung unserer Kinder wert.
Man könnt auch sagen, es ist ihnen die Zukunft unseres Landes noch nicht mal 7% des BIP wert!

Zynisch? Sicherlich, aber auch wahr.

Ungebildete Arbeitslose

Gerne wird ja behauptet, das arme Menschen, von denen viele auch arbeitslos sind, oder Arbeitslose, die meistens arm sind – ist gehupft wie gesprungen und ein Teufelskreis – jedenfalls, das die 13 Millionen Armen und Arbeitslosen in unserem Land im Prinzip faul und ungebildet wären und somit auch selber schuld an der Misere sind.

Ja alle selber schuld. Warum finden sie auch keinen Arbeitsplatz!

„Wir haben im Moment offiziell knapp 3 Millionen Arbeitslose in Deutschland – Langzeit und Kurzzeit, hochausgebildete und welche mit Bildungsdefiziten.
Dem gegenüber stehen 50.000 bis 70.000 offene Stellen.

Das macht: 0,02 Stellen pro Arbeitslosen oder 50 Bewerber auf 1 offene Stelle.“

Ich halte nochmal fest:

13 Millionen Arme ohne Chancen.
Dumm, ungebildet laut öffentlicher Meinung und zu faul einen Job zu bekommen.

Fakt ist: es gibt zu wenig Jobs für alle.
Und die meisten Jobs werden nicht mehr so bezahlt, das eine Familie davon leben kann.
Das führt wiederum dazu, das sich trotz Job die Situation der Armen nicht verändert.
Deswegen haben auch die 8.5 Millionen, die in Armut verharren, keine Chance daraus zu kommen.

Persönliche Statistik

Sind die Menschen in diesem Land wirklich dumm?
Sind sie ungebildet?

Ich glaube eher nicht.
Es gibt Ausnahmen, die die Regel bestätigen.
Es suchen auch nicht alle Arbeitslose einen Job als Hochschulprofessor.

Ich habe mich mal in meinem persönlichen Umfeld umgeschaut. Nicht repräsentativ, aber durchaus interessant.

Von meinen Bekannten beziehen 16 Menschen Hartz IV oder Sozialhilfe.
Von diesen 16 Menschen haben vier einen Hauptschulabschluß, sechs einen Realschulabschluß, und fünf Abitur.
Von den Abiturienten haben vier ein Studium absolviert. 15 haben insgesamt eine Ausbildung absolviert. Drei können sogar zwei Ausbildungen vorweisen.
Die Hälfte finanziert sich komplett aus Hartz IV, zwei sind mittlerweile in Rente, müssen aber mit Sozialhilfe Aufstocken. Und andere haben einen Job, der aber so mies bezahlt wird, das sie auch aufstocken müssen.

Ich finde das mehr als erschreckend.
Nicht nur die Situation an sich, sondern auch die Meinung, die durch die Medien immer wieder gepuscht wird.

  • selber schuld
  • zu faul
  • zu dumm
  • zu ungebildet

Das ist schlichtweg falsch.

Meine These, warum die qualifizierten und gebildeten keinen Job mehr bekommen:
Sie sind zu teuer und sie sind in der Lage selbständig zu denken.

Es ist eine Schande, wie in diesem Land die Zukunft unserer Kinder und Enkel verspielt wird.
Nur damit die Reichen und Banken immer reicher werden.

„Andererseits gelingt es immer mehr Wohlhabenden, ihre einmal erreichten Spitzeneinkommen auch dauerhaft zu sichern.“

Tagesspiegel 12.10.211

Was denkst du, warum die Situation in Deutschland so verfahren ist?

Schreib einen kurzen Kommentar!

Update

Im Tagesspiegel fand eine Umfrage statt.

Hier das Ergebins (Stand 15.10.2011 13:30)

Diese Umfrage spiegelt so richtig Volkesmeinung wieder.
Dumme Arbeitslose, die mmehr Aus- und Weiterbildung brauchen.
Faule Arbeitslose, die sich nicht genügend anstrengen.

Wie un den Arbeitsagenturen herrscht auch in der Bevölkerung die Meinung vor, das viel viel hilft.
Wenn einer keinen Job hat, dann hat er sich wohl nicht genügend beworben.

Laut Gesetz muss sich ja ein Arbeitssuchender auf jede zumutbare Stelle bewerben. Was so zumutbar ist, entscheidet auch gerne der sogenannte Fallmanager.

Zumutbar ist ein Job, wo man 1 1/2 Stunden Anfahrtsweg hat. Natürlich nur in eine Richtung.
Also 3 Stunden Fahrzeit.

Jetzt fragst du vielleicht: Was ist da noch mit meinem eigenen Leben, meinem Privaten? Also wenn ich 8 Stunden Arbeite, 1 Stunde Pause machen muss und 3 Stunden durch die Gegend gondele, um an den Arbeitsplatz zu kommen. Summa summarum also 12 Stunden am Tag außer Haus bin.
Ist doch egal! Hauptsache ARBEIT!

Laut Gesetz muss sich also der Hochschulprofessor, um es mal ganz krass zu sehen, auch auf den Straßenkehrerjob bewerben.
Nicht das irgendwas verkehrt mit einem Straßenkehrerjob ist, nur was passiert mit dem Straßenkehrer, der genau dafür qualifiziert ist, wenn sein Job von einem Hochschulprof eingenommen wird?

Ja genau, für den ist dann keine Arbeit da!
Und die Stelle, die der Hochschulprof einnehmen könnte, aufgrund seiner Qualifikation, na die wird dann mit einer Fachkraft aus dem Ausland besetzt.

Super Spiel gell?

Umgekehrt besetzen Arbeitgeber auch nicht alle Stellen mit den Bewerbern.
Es gibt Jobs, da werden keine Leute eingestellt, die gut ausgebildet sind.
Warum?
Die können selber denken, das wird oft nicht gerne gesehen.

Also viel hilft nicht viel.
Denn es ist fruchtlos sich auf Jobs zu bewerben, von denen man keine Ahnung hat.
Und die Ahnung kann man auch nicht immer ganz ganz schnell mit einer Weiterbildung erwerben.

Wenn in einem Job z.B. Englischkenntnisse gefragt sind, dann reicht eine dreimonatige Weiterbildung im Englischen nicht aus, um die wirklich nötige Sicherheit und Kompetenz zu erwerben.

Das sind Trugschlüsse.

Die Abstimmung im Tagesspiegel zeigt aber wieder mal, wie Meinung gemacht wird.

lovehelz

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2 thoughts on “Arm! – Arbeitslos! – Ungebildet?

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